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User & Date: dkreuz 2016-06-12 14:55:11
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2016-09-13
11:51
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2016-06-12
14:55
Post 'IndieWeb' check-in: 718759cb54 user: dkreuz tags: trunk
2016-05-26
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title: IndieWeb
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pub_date: 2016-06-12 14:16:00
---
categories: profession
---
tags: indieweb
---
body:

Noch vor 20 Jahren war es weder einfach noch leicht, eigenen Gedanken eine
Stimme zu geben. Man war darauf angewiesen, dass andere einem Raum gaben, sei
es in Form von Leserbriefen, Radiogrüßen oder mit der Verteilung von
Flugblättern.

## Motivation

Heute scheint es anders zu sein. Twitter, Facebook gelten als etablierte
soziale Medien, in denen jeder Gedanken veröffentlichen kann.  Messenger zielen
auf halb-private Kommunikation. Andere Dienste bedienen visuelle oder auditive
Bedürfnisse. Wer Wert auf längere Gedanken legt, der findet mit Medium, Blogger
und anderen Diensten passende Angebote.

Doch so einfach ist es nicht. Als Benutzer dieser Mediendienste ist man fast
immer Teil des Produkts, fast nie der Kunde. Wer aus Sicht des Anbieters nicht
zum Produkt passt, wer mit seinen Beiträgen für geringere Einnahmen sorgt, der
wird aus dem Produkt entfernt. Wer anderen einen Dienst kostenlos bereitstellt,
der soll die Regeln bestimmen dürfen. Dienstanbieter und viele Nutzer scheinen
dagegen wenig Einwände zu haben, selbst wenn sie in demokratisch orientierten
Gegenden beheimatet sind.

Man kann zusätzlich aus einem anderen Grund von einem Dienst ausgeschlossen
werden.  Der Eigentümer des Dienstes kann entscheiden diesen einzustellen. Wer
erinnert sich noch an SixDegrees, Etherpad.com, Geocities, Buzz, Wave, AOL,
Myspace User Blogs, Knol, Posterous, Latitude, 43Things, FriendFeed,
Grooveshark, und noch [mehr](http://xkcd.com/1361/)?

Wer viele Inhalte auf diesen Diensten eingestellt hat, der hat es in solchen
Fällen nicht einfach, wenigstens alle Daten für sich zu sichern. Das sind nicht
nur die eigentlichen Inhalte, sondern z.B. Beziehungen zu anderen Benutzern.

Es gibt mehrere Möglichkeiten mit diesem Problem umzugehen.

* Man kann es für nicht relevant erklären, z.B. wenn es einem egal ist, was mit
  den Inhalten passiert oder diese vermeintlich sowieso kurzlebig sind.
* Man kann es ignorieren oder hoffen/wetten, dass der benutzte Dienst schon
  nicht schließen wird oder einen nicht ausschließt.
* Man kann regelmäßig die eingestellten Daten mitsamt weiterer Meta-Daten
  (z.B. Freundesliste) sichern. Sofern das der Dienst unterstützt.

## Own Your Data

Oder man überlegt, wie man dieses Problem selbst und mit anderen löst.

Zunächst muss man dafür sorgen, dass man vollständige Verfügung über die
eigenen, später zu kommunizierenden Daten hat. Also "own your data". Nur so
habe ich freie Wahl, ob und wie ich meine Daten publizieren kann.

Diese Daten sollten im eigenen Interesse gut gesichert sein. Regelmäßige
Backups sind Pflicht.  Wer einen eigenen Computer betreibt kennt das. Also die
meisten.

Die nächste Frage ist, in welchem Format die Daten abgelegt werden sollen.
Texte sollten im reinen [Textformat](../../2011/die_kraft_einfach_textformat/)
abgespeichert werden, wenn man zukunftssicher bleiben möchte. Bilder speichere
ich als JPEG-, PNG- oder TIFF-Datei, PDF-Dateien im PDF/A-Format. Hauptsache,
das Format ist von unabhängiger Seite so standardisiert, dass man es mit
vielerlei Software bearbeiten kann.

Mit einer geeigneten Software können jetzt schon recht einfach Webseiten
publiziert werden. Ich selbst nutze dazu aktuell
[Lektor](https://getlektor.com), aber das ist dank des offenen Textformats
nicht zu wichtig. Davor nutzte ich eine andere Software,
[Blogofile](http://blogofile.com/), und konnte recht einfach auf Lektor
umsteigen.

Möchte man lange Freude an den eigenen Daten haben, sollte man diese besser
nicht in einer Datenbank ablegen. In diesem Fall ist man darauf angewiesen,
dass die Datenbanksoftware in der richtigen Version existiert.

Der Verzicht auf ein Datenbanksystem hat weitere Vorteile: die Anforderungen an
einen Web-Hoster sind geringer. Zwar werden diese Seiten über meinen
[Lieblings-Hoster](https://uberspace.de/) physisch ausgeliefert, aber für den
Fall der Fälle kann ich einfach wechseln:

* zu einem anderen Hoster,
* ich könnte es selbst hosten (müsste aber evtl. vorher mit meinem
  Internet-Provider sprechen),
* viele andere Dienste, z.B. Dropbox oder GitHub, ermöglichen das Publizieren
  von statischen Webseiten.

Zwar habe ich damit meiner Meinung eine Stimme gegeben, es fehlt aber die
Interaktion mit anderen Menschen.

Natürlich gibt es selbst für diese Aufgabe einige Dienste, die helfen möchten.
Disqus ist dafür wohl der Marktführer. Aber dann gebe ich den vollen Zugriff
auf meine Daten wieder einem Dienst. Da hätte ich gleich bei Facebook & Co
bleiben können.

Ein selbst betriebene Software, wie z.B. [Isso](https://posativ.org/isso/),
kommt aus anderen Gründen nicht in Betracht: damit können Menschen nur mit mir
in Kontakt kommen. Aber was mache ich, wenn ich mit anderen Menschen gezielt
kommunizieren möchte? Jetzt wird es interessant, denn diese Kommunikation
sollte nicht nur bei mir veröffentlicht werden, sondern zusätzlich bei der
anderen Person. Die mögliche Diskussion gehört uns beiden.

Wir benötigen eine Art Vereinbarung, wie Menschen über ihre eigenen Webseiten
miteinander kommunizieren können.

Jetzt kommt das IndieWeb ins Spiel!

## IndieWeb

Das IndieWeb wird von einer wachsenden Gruppen von Menschen unterstützt, um die
unternehmenszentrierte wieder in eine personenzentrierte Kommunikation zu
überführen. Wer bei der unternehmenszentrierten Kommunikation bleiben möchte
(oder muss), z.B. über Facebook, Twitter, Plag, SnapChat & Co, der darf gerne
dort bleiben. Die Menschen hinter dem IndieWeb möchten ggf. eine Brücke bauen.

Dazu werden Verabredungen getroffen, wie Webseiten intern strukturiert sein
sollten, damit Interaktionen möglich werden. Diese Verabredungen sollten vor
ihrer Diskussion schon einmal prototypisch realisiert sein, damit keine
intellektuellen Totgeburten entstehen.  Ausgangspunkt zur Dokumentation dieser
Verabredungen ist die Seite [IndieWebCamp](http://indiewebcamp.com/). Mit der
sprachlichen Nähe zu einem [BarCamp](../../2015/barcamp/) wird auf die
bevorzugte Veranstaltungsform zum Meinungsaustausch hingewiesen.

Die Annahmen für das IndieWeb sind:

* Daten werden (nur) durch HTML dargestellt,
* Zusatzinformationen werden im HTML-Code platziert,
* Datentransport (nur) über HTTP(s).

Damit soll eine größtmögliche Offenheit und Vielfältigkeit erreicht werden.
Wichtige Verabredungen sind:

* Identifikation von Menschen ("Benutzerkennung") mit Hilfe eines Domain-Names,
  verwaltet durch das DNS. Vielleicht wird jetzt klar, weshalb ich mir den
  Namen "t73f.de" gesichert habe ;)
* Anmeldung über [IndieAuth](https://indieauth.com/).
* Zusatzinformationen werden über [Mikroformate](http://microformats.org)
  beschrieben. Wenn Sie sich diesen Blog-Post im HTML-Quelltext ansehen, dann
  werden Sie Elemente, wie `h-entry`, `p-author` oder `dt-published` entdecken.
  Diese markieren wichtige Abschnitte dieser Seite, so dass andere Software
  genau diese Abschnitte extrahieren und weiterverarbeiten kann.
* Gegenseitige Benachrichtigungen über [Webmentions](http://webmention.net/).

Um Menschen nicht von den vielen Vereinbarungen abzuschrecken, gibt es eine
[Metrik](http://indiewebcamp.com/IndieMark), um zu messen, wie sehr die eigene
Webseite konform zum IndieWeb ist.  Unter
[IndieWebify.Me](http://indiewebify.me/) existiert sogar ein kleiner Dienst,
der das überprüft und ggf. Verbesserungshinweise gibt.

Wer das alles nicht sofort selbst umsetzen möchte, für den gibt es einige
Dienste und Software. Für den schnellen Einstieg kann
[Knwon](https://withknown.com/) ausprobiert werden. Die Brücke zu Facebook,
Twitter & Co schlägt [Bridgy](https://brid.gy/). Viele weitere Projekte listet
<http://indiewebcamp.com/Projects> auf.

## Fazit

Wir leben in interessanten Zeiten. Facebook & Co sind daran interessiert, dass
Menschen auf Ihren Seiten verweilen. Über Produkte, wie [Instant
Articles](https://developers.facebook.com/docs/instant-articles) wird versucht,
mehr und mehr Inhalt auf die eigene Plattform zu schaufeln. Gleichzeitig nehmen
Inhalteanbieter ihre Entmachtung in Kauf, wohl wegen des Netzwerkeffekts und
aus monetären Erwägungen.

Gleichzeitig wird versucht, z.B. auf dem
[Decentralized Web Summit](http://www.decentralizedweb.net/), das Web für alle
offen zu halten.  Auch wenn viele kein Problem damit haben, Teil des Produktes
zu sein und mit den eigenen Daten zu zahlen, gibt es viele Menschen, die von
kaum kontrollierten Unternehmen nicht durchleuchtet werden möchten.

Wie wir alle wissen, gibt es zwischen Schwarz und Weiß beliebig viele Farben.
Das IndieWeb positioniert sich in der eindeutigen Aussage zur digitalen
Selbstbestimmung und baut Brücken zwischen Interessen.

Womit mein nächstes, kleines (?) Side-Projekt gut beschrieben ist.